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Aufbruch in die weite Flusswelt des Amazonas

Da wir nur ein paar Stunden WLAN haben, kommt jetzt schon wieder ein Beitrag. Anselm hat ja schon unsere Position durchgegeben. Wir sind in einem kleinen Ort am Ufer des Flusses, der gerade viel Wasser trägt.

Die Bilder vom blauen Wasser und den weißen Sandstränden, die schon im kleinen Flughafengebäude von Santarem hängen, stehen hier buchstäblich „unter Wasser“. Aber das ist egal, die reale Welt übertrifft eh die Postkartenwelt.

Morgen beginnt unsere viertägige Schiffstour – in weite Flußentfernungen und kleine Dörfer, organisiert durch eine NGO.

Die Hängematten für die 3 Nächte und 4 Tage sind gekauft und eingepackt. Wir werden eintauchen in eine andere Welt – die garantiert WLAN-frei sein wird. So werden wir uns also frühestens Dienstagabend oder Mittwoch wieder melden können.

 

Bis dahin herzliche Grüße von uns sieben,

Eva-Maria (Freitag abend)

20.7.12 23:54


Nach Zwangspause ...

... melden wir uns wieder. Und zwar aus dem Touristenörtchen ALTER DO CHAO am Unterlauf des Rio Tapajós, kurz vor seiner Einmündung in den Amazonas.

Die aktuelle Position ist

S 02°30.198

W 054°57.145

gegenüber der Kirche.

In den letzten Tagen in Manaus hatten wir einfach keinen Zugang zu unserem Blog und sind deshalb unseren Leser/inn/en die entsprechenden Informationen schuldig geblieben. Deshalb hier die bewertende Zusammenfassung: Es war phantastisch. Heute morgen mussten wir allerdings schon um 2:50 h im Hotel aufbrechen. Dann flogen wir mit dem Flieger am Äquator entlang nach Santarem. Im Amazonasgebiet starten viele Linienflüge früh am Morgen. so werden die Turbulenzen vermieden, denen sonst nur die Kariben Konkurrenz machen können.

In Manaus war unsere Position übrigens 

S 03°07.804

W 060°01.313.

Bilder zu diesen Informationen liefern wir nach. Schon jetzt darf geraten werden, wo unsere abendliche Caipirinhaposition war und was wir von dort aus sehen konnten.

Aus der Tiefe Amazoniens grüßt

Anselm

20.7.12 15:28


Manaus, die quirlige Großstadt am Amazonas

Nun sind wir endlich da: am Amazonas! Irgendwie für mehrere von uns wie die Erfüllung eines Traumes. Ein unglaublicher Fluss. Eine laute, volle, quirlige, stickige Stadt. Heute ist schon unser dritter Tag hier – wir lassen uns immer wieder treiben durch die Straßen voller kleiner Verkaufstände, voller Autos, Menschen, Stimmen, Geschäftigkeit, Abgasen, Gerüchen, Hitze. Im Markt eine Vielzahl von unbekanntem Gemüse und Früchten und von nie gesehen Fischen. Am Hafen die typischen 2-3 stöckigen Amazonasboote: unten werden die Berge von Waren gestapelt, oben hängen die Passagiere ihre Hängematten ein. Und überall werden im Bereich des Zentrums am Hafenufer von kleinen und mittleren Booten schier unendliche Mengen von Waren runter oder  aufgeladen Alles wie im Film und dennoch ganz real.

Und mitten in dieser wabernden Stadt steht das prunkvolle Teatro Amazonas: das kunstvolle Relikt aus der kurzen wirtschaftlichen Blütezeit des Kautschuk – da war Manaus einmal für kurze Zeit die reichste Stadt der Welt. Imposant und fremd zugleich. Bei der Führung ins Innere kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier haben sich die Reichen der damaligen Zeit eine eigene Welt geschaffen – quasi alle Baumaterialien stammen aus diversen Ländern Europas. Prunk, Pracht, Schönheit – und dennoch stinkt es leicht nach Feuchtigkeit, die alles zerfrisst. Wirklich genießen oder bewundern kann ich es nicht, zu sehr habe ich mich seit langem mit den Kehrseiten des (kolonialen) Reichtums beschäftigt. Aber staunen kann ich sehr.

Und vor dem Theater ein wunderbarer großer Platz mit schattigen Bäumen, abends am Rand Straßenbars, jeden Abend irgendwo Live-Musik. Umgeben von schönen kleinen renovierten Häusern aus der „guten alten Zeit“ – oft durchmischt mit Hochhäusern, die nach unseren Augen nur als hässlich zu bezeichnen sind. Die Stadt ist ein einziges Durcheinander von Hochhäusern und  Hütten, Pracht und Verfall. Das Teatro mit dem freien Platz wirkt fast wie ein Ruhepol mitten drin. 

Unser kleines Hotel liegt ganz nah am Platz. Wir mussten erstmal tief Luft holen, als wir die Enge der kleinen Zimmer sahen. Aber nun haben wir uns längst dran gewöhnt und sind froh, ausgerechnet hier gelandet zu sein. Es gibt keine Bäder an den Zimmern sondern gemeinschaftliche Waschanlagen im Flut. Alles klein, nett, freundlich eingerichtet und mit sehr freundlichem Personal. Und die Krönung: oben gibt es eine Dachterrasse mit direktem Blick auf das Teatro. In der Küche können wir uns jeden Abend unsere eigene Caipirinha machen  So sitzen wir jeden Abend auf der Terrasse. Und jeden Abend kann ich es kaum fassen, dass wir hier und diesem Ort sind. Einfach wunderbar

Von der Bootstour zum „encontro das aguas“ oder dem Besuch beim Bischof berichten hoffentlich andere hier im Blog. Ich freue mich nun nach den drei Tagen langsam sehr auf die Ruhe der bevorstehenden Schiffsreise auf dem Amazonas. Mit dem Internet ist es hier schon schwierig, so dass ich diesen Text in Word quasi vorschreibe. In den nächsten Tagen wird es vermutlich noch schwieriger bis unmöglich. Auch mal okay wenn nicht sogar gut so!

Eva-Maria

Nachträglich eingestellt in Alter do Chao am 20.7.2012, 15:08 Ortszeit.

20.7.12 20:09


Der Regen ...

... beschäftigt auch uns.

Katja Melchers hat Sabine Timm über den Gar-Nicht-Sommer mit Kälte und Regen berichtet. Wir sind zwar in den Tropen, aber viel besser geht es uns auch nicht.

Zum Beleg hier noch einmal Jan Martins Bild aus Salvador:

und direkt anschließend das Dokumentationsfoto: Unser zweitjüngstes Expetionsmitglied scheut keine Mühen für die Dokumentation - ob sich da journalistische Gene bemerkbar machen:

Liebe Katja Melchers, von unterm Regen Leidenden zu unterm Regen Leidenden grüßt auch an Jonah, Ludwig und alle Timms

Anselm

16.7.12 20:57


Und hier wieder die Standortinformationen ...

Im Moment sind wir in der Pousada Agua Marinha

mit den folgenden Koordinaten:

S12°29.736

W037°57.634.

Von Anselm eingestellt am 16.7.2012

um 14:30 h Ortszeit

Dass man es sich hier gut gehen lassen kann, könnt ihr dem folgenden Bild entnehmen:


16.7.12 19:31


Gewalt


Es ist früh am Morgen, ich sitze am Pool unseres Hotels und genieße den Beginn des Tages.

Seit 2 Tagen sind wir hier am Meer in einem kleinem Ort ca. 60 Kilometer nördlich von Salvador. Nach dem Wochenende sind hier kaum noch Gäste.

Ich fühle mich nicht mehr eingeengt und unfrei. Die Häuser haben keine umgebenden Mauern, man sieht keine Polizei mit schusssicherer Weste.

Es ist für mich ein Kontrast zu dem ersten Hotel, das wir nach unserer Ankunft in Brasilien bewohnten- seltsamerweise gar nicht weit von hier entfernt.

Wir wurden dort beim Ankommen freundlich begrüßt , uns wurden die Zimmer gezeigt. Dann folgten ausführliche Instruktionen: Abends nicht an den Strand gehen, überhaupt und sowieso nicht weit am Strand entlanglaufen, die Stadt Salvador nicht am folgenden Tag besuchen (es sei nicht genug Polizei vor Ort).

Das Hotel ist von einer hohen Mauer umgeben (wie alle anderen Häuserensembles auch). Der Eingang ist videoüberwacht.

So ganz unbeeindruckt ließ uns das nicht. Wir fuhren dann aber doch am nächsten Tag in die Stadt und wurden weder beargwöhnt noch überfallen, noch ausgeraubt, aber wir blieben brav als Gruppe zusammen.

Der Wechsel nach Alagoinhas zeigtre uns dann nochmal eine andere Seit des LÖandes. Eva-Maria hjat schon berichtet.

Die KOmmunität ist auch von einer hohen Mauer umgeben. Es gibt einen Eingang, für den man einen Schlüssel braucht. Aber es gibt auch ein Tor an einer anderen Seite des Gartens, wo man ungehindert Zutritt hat. Fr. Rudolf erzählte, dass die Brüder mal einen Wachhund gehabt hatten, der aber bei einem Einbruch auch gleich mitgenommen worden sei. Seitdem haben sie keinen Hund mehr.

Rudolf hat uns Geschichten mehrerer Kinder und Jugendlicher erzählt, immer kommen darin Gewalt und Drogen vor.

Er schickte uns im Anschluss an die Brincadeira mit den Kindern in die verschiedenen Straßen des Viertels.

Ich habe an mir zunächst wieder die Unsicherheit gemerkt, fühlte mich aber durch Rufolfs Zutrauen zunehmend sicherer.

 

Ich kann mich noch an die erste Nacht in Alagoinhas erinnern: ich lag im Bett und konnte nicht schlafen, weil ich die Geräusche nicht zuordnen konnte- es gab laute Musik, ich hörte Schüsse. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass weit entfernt eine Disko stattgefunden hatte und Feuerwerkskörper gezündet worden waren.

 

So ist das mit der Wqahrnehmung. 

Allmählich traue ich wieder meinem Gefühl, hinderlich ist allerdings die Unkenntnis der portugiesischen  Sprache. Jedenfalls bin ich gern in diesem Land, sitze einfach gern da und beobachte Menschen und Situationen.

 

Wir wollen uns nachher aufmachen in die traumhafte Lagunen-Landschaft am Meer.

Es ist schön hier.

Sabine

Sonntag, 15. Juli, vormittag

16.7.12 16:50


Nachtrag zu Alagoinhas. die Brincadeira

Die Eindrücke aus der Brincadeira gehen mir noch nicht aus dem Kopf. So will ich versuchen, etwas davon doch genauer wiederzugeben.

Um kurz vor 4 Uhr nachmittags kommen immer mehr Kinder zu dem kleinen Tor am Gelände unterhalb des „Tagungszentrums“. Um 4 Uhr macht Rudolf auf, alle begrüßen ihn einzeln mit der Hand und stellen sich auf, um alle Obst zu bekommen. Danach stürmen immer mehr dann auf den Platz, ins Spiel. Die weitere Stunde ist das Gelände erfüllt von Toben, Spielen, Rennen, Streit. Die Spielmöglichkeiten: eine Wippe, ein Sandplatz für Ballspiele, ein Platz unter den Bäumen, wo manchmal Capoeira getanzt wird, eine paar Reckstangen aus Bambus, die Tische unter dem Vordach des Hauses. Fr Rudolf steht die ganze Zeit am Tor, alle Kinder, die ein Spielzeug bekommen wollen (z.B. den Ball, ein Jonglierspiel o.ä. gehen zu ihm und er schreibt ihnen einen kleinen Zettel als Ausgabe-Gutschein. Dahinter steckt die Haltung der „umgekehrten Hierarchie“: die Kinder bestimmen, was sie spielen wollen – nicht die Erwachsenen (das sind die anwesenden Freiwilligen, die drei BrasilianerInnen, die dabei kochen, die Spiele ausgegeben – oder eben wir als anwesende Gäste) „bespaßen“ die Kinder. Ein wichtiges Prinzip.

Ein anderes wichtiges Prinzip: die Älteren bekommen als „Mentoren“ die Verantwortung, auf einzelne Jüngere zu achten. Das bedeutet vor allem, mitzubekommen, wann ein Streit eskaliert und Prügeleien zu verhindern. Und angespannte Streitereien entstehen tatsächlich schnell, was wir selbst ohne Sprachkenntnisse wahrnehmen können. Wenn ein Kind oder Jugendlicher zu „heftig“ wurde – greift Ricardo ein und bringt ihn zur „Nachdenkbank“. Ein Baumstamm, auf dem dann derjenige 10 Min. sitzen muss, bevor er wieder ins Spiel eintauchen kann. Wichtig sind dabei auch die anweseden Mütter, die mit einer kleinen Aufwandsentschädigung auch bezahlt werden: auch sie „beaufsichtigen“ die Spiele, bringen vor allem Kinder aus ihrer Straße mit und bringen sie wieder nach Hause.

Nach einer Stunde ist die Spielzeit zuende. Die Kinder stellen sich wieder an. Sie werden als Gruppen mit Straßennamen aufgerufen und bekommen Obst zum Mitnehmen. So verlassen die Kinder nicht gleichzeitig das Gelände, sondern verteilt – auch das eine bewusste Maßnahme, um allzu viel Streit auf dem Heimweg zu vermindern.

Wenn ich das so mit den deutschen Begriffen beschreibe, klingt es sehr reglemtiert. Ich habe es aber nicht als „Reglementierung“ empfunden sondern als ein sehr komplexes Zusammenspiel von Regeln und Ritualen, die für die das Zusammensein und die Einzelnen äußerst hilfreich sind.

Wir konnten an allen drei Tagen, einzelne Gruppen mit einer der Freiwilligen nach Hause bringen. Es ist ein Leben in Armut, das dem sehr ähnelt, was ich vor 20 Jahren in den beiden Favelas in Belo Horizonte oft mitbekommen habe. Eine Armut, zu es auch gehört, dass in dem engen Raum und den Lebensbedingungen Gewalt oft die schnellste Antwort auf Konflikte oder das Mittel zur Wahrung der eigenen Interessen ist. Eine Gewalt, die auch in den Familien stattfindet, die mit den geringen Chancen zur Erlernung sozialer Kompetenzen zu tun hat. Und dennoch bewundere ich die Leute auch oft: für die Herzlichkeit, mit der wir in die Hütte eingeladen werden, für die Kraft, mit der sie ihr Leben in so vielen lebenserschwerenden Bedingungen bewältigen.

Die extreme Gewalt, die die Drogen in den letzten 3-4 Jahren in dieser Stadtteil gebracht haben, ist nicht sichtbar. Aber sie spricht aus den vielen Geschichten, die Rudolf uns vorher schon erzählte und die nun konkret wird: der Bruder von ihm wurde letzte Woche erschosssen, dieser Junge wurde fast erschossen, aber der Schuss ging daneben…

Mein Schlüsselerlebnis ist am Samstagmorgen bei der „escola para aprender mais“ (die Schule, um mehr zu lernen – eine Art brincadeira als informelles Förderschulangebot, bei der die Kinder nicht spielen, sondern an Tischen lernen, z.B. indem sie Geschichten schreiben): Rudolf schickt mich an einen Tisch mit den größeren Jungen. Eine Mutter kommt vorbei, gibt jedem ein Blatt und einen Stift – sie sollen eine Geschichte schreiben. Diese Geschichten werden gesammelt, von Rudolf liebevoll  ausgewertet, abgetippt und als kleines „Buch“ kopiert. Ihren bibliogarfischen Standort finden sie später in der Bibliothek der von der Stiftung unterhaltenen Schule, von der ich schon berichtet hattet. Diese Geschichten helfen den Kindern bei der Verarbeitung, würdigen ihre Worte, ihr Leben.
Ein Junge beginnt sofort auf dem Blatt eine Pistole zu zeichnen. Ein anderer reißt ihm das Blatt weg und zeigt es dem dritten: du verstehst doch was von Waffen, was ist das für eine… das folgende kurze Gespräch verstehe ich nicht ganz – aber dieser „Geschichtenanfang“ lässt mich ahnen, wie nah diese Gewalt im Alltag des Jungen ist.

Zu den kurzen Eindrücken von mir hier noch ein Link zu einem RAP auf you tube, den kürzlich ein französischer Freiwilliger mit den Kindern gemacht hat. Beim ersten Link sind viele Szenen auf dem Gelände der Bincadeira sichtbar: das Spiel mit dem Auoreifen, die Wippe, das Volleyballnetz und auch die Obstausgabe. Aufgenommen wurde auch in dem kleinen Studio, das die Stiftung eingerichtet hat:

http://www.youtube.com/watch?v=jXfYyr59zIY

http://www.youtube.com/watch?v=rrjXyyuImvI   

Eva-Maria 

16.7.12 15:34


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